Wodurch zeichnen sich die Lebensrealitäten von Geflüchteten in Athen aus? StadtforscherInnen der TU Berlin und stadtaspekte suchen Antworten auf diese und weitere Fragen rund um die „Arrival City Athen“. 

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„Cities have the possibility to put pressure on their governments. Apart from the moral support to Athens, we need to find solutions to the arrival and integration of refugees that can circumvent the central policies of states.“ Lefteris Papagiannakis, Athens Vize-Bürgermeister und Koordinator für die Zuwanderung von Geflüchteten, hat eine Vision. Er will die Zuwanderung von Geflüchteten auf lokaler Ebene gestalten und langfristig institutionelle Strukturen und Kooperationen entwickeln, die auf die Integration von Geflüchteten abzielen.

Papagiannakis’ Ideen setzen da an, wo die EU und Griechenland momentan versagen. Mit demEU-Türkei-Deal und der Schließung der Balkanroute hat sich die Stadt von einem Transitraum zu einem dauerhaften Ort der Ankunft entwickelt. Die geflüchteten Menschen, die sich bis zum Frühjahr nur für ein paar Tage in Athen für die Organisation der Weiterreise nach Nordeuropa aufhielten, werden nun gezwungen zu bleiben – in einem Land, das sie sich nicht ausgesucht haben und das, von der Krise gezeichnet, wenige wirtschaftliche Möglichkeiten und Versorgungsangebote für Geflüchtete bereit hält.

Wie gestaltet sich diese neue Situation in Athen: Wodurch zeichnen sich die Lebensrealitäten von Geflüchteten in Athen aus? Wo und wie kommen die Menschen, die aus Syrien, Afghanistan und aus dem Irak fliehen, in Athen an? Auf welche sozialräumlichen Infrastrukturen des Ankommens stoßen sie, welche eignen sie sich an und was für Maßnahmen trifft die Stadt Athen, um auf den längeren Verbleib von Geflüchteten zu reagieren?

Dieser Beitrag veranschaulicht anhand von vier unterschiedlichen Ankunfts- und Lebensorten die aktuelle Situation von Geflüchteten sowie stadtpolitische Aktivitäten Athens in der Organisation der Zuwanderung. Er zeigt mittels Kartografien, Ton-, Bildaufnahmen und Zeichnungen Erfahrungen, Eindrücke und Realitäten von Refugees in Athen auf und erläutert erstens, was es überhauptbedeuten kann, an einem Ort anzukommen und zu bleiben, wo man vielleicht nie hinwollte. Und zweitens, welche alternativen Möglichkeiten der Versorgung und Integration aus der Krise heraus entstehen können.

Video 1: Elliniko – Warten statt Ankommen

Auf dem ehemaligen Olympiagelände im Süden Athens campieren tausende geflüchtete Menschen und verharren in einem ungewissen Zustand zwischen einer Registrierung in Griechenland und der Weiterreise nach Zentraleuropa. Die AutorInnen Saskia Hirtz und Laurenz Blaser wurden von einem momentan dort lebendem Übersetzer aus Afghanistan eingeladen, das Camp zu besichtigen und sich ein eigenes Bild zu machen. Hier berichten sie von ihren Eindrücken, die sie fotografisch dokumentiert haben.

 

Video 2: Elliniko vs. Excharchia

In einer Vergleichschoreografie stellt Paulina Schute anhand zeitlicher Komponenten die zurückgelegten Wege Geflüchteter – vom Zentrum Athens zu den besetzten Häusern in Exarchia sowie zum Camp Elliniko am Stadtrand Athens – einander gegenüber. Häufig zurückgelegte Wege innerhalb einer Stadt sind ein wichtiger Bestandteil des Ankommens – des inneren Stadtgefüges, welches sich zum Teil dem geopolitischen Außen anpasst oder diesem entgegensteht. Wege geben Orientierung, können Zusammenhänge und Distanzen verinnerlichen, lassen Fremdes zu Vertrautem werden. Zeit, Raum, charakteristische Orte und persönliche Eindrücke wurden hier festgehalten, um städtische Hürden des Ankommens zu verdeutlichen.

In den kommenden Wochen werden an dieser Stelle weitere Videos veröffentlicht. Hier gehts zu weiteren Inhalten des Studienprojekts.