»Stadtleben findet unter Fremden statt«, schreibt der Soziologe Zygmunt Baumann. Hierin liegt das Glück des städtischen Lebens, aber auch sein Fluch: der Umgang mit Fremden beinhaltet immer Unsicherheiten, da ihr Verhalten nicht vorhersehbar ist.

Die Pole, nach denen wir gemeinhin die Sphären der europäischen Stadt teilen, sind das Öffentliche und das Private. In der Öffentlichkeit treffen wir mit Fremden zusammen, treiben Handel und streiten über eine gute Politik. Das Private ist davon getrennt, es dient als Schutzraum, als Raum der Erholung und der Familie. Mit der Entwicklung zu immer vielfältigeren und komplexeren Städten wächst das Bedürfnis nach solchen sicheren Räumen. Der Großstadtbewohner, so eine pessimistische Lesart, ist mit der städtischen Komplexität schnell überfordert, er stumpft ab und zieht sich zurück.

Um sich von der unberechenbaren Umwelt abzuschotten, werden allerorts Schutzmauern errichtet, lassen sich viele Formen der Privatisierung des Urbanen feststellen. Öffentlicher Raum wird zunehmend von elektronischen Augen überwacht und von Sicherheitspersonal patrouilliert. Das Wohnen in so genannten »Gated Communities«, Wohnanlagen mit beschränkten und gesicherten Zugängen, ist ein weltweit immer häufiger auftretendes Phänomen.