Was die Jugendlichen in der ostdeutschen Kleinstadt Lübbenau treiben, ist für Menschen in ihrem Alter nichts Ungewöhnliches. Doch die jungen Frauen und Männer, die der Fotograf Daniel Seiffert eineinhalb Jahre mit der Kamera begleitet hat, leben an einem Ort, der im Gegensatz zu ihrem persönlichen Heranwachsen von Stagnation und Rückgang gezeichnet ist.

Von Benedikt Crone

Ein Kohlekraftwerk mit dem Namen Jugend sorgte einst für Arbeit in Lübbenau – bis es 1994 abgeschaltet wurde. Heute hat die Kleinstadt mit einem starken Bevölkerungsrückgang zu kämpfen. Wie fühlt es sich für die Jugend dieser Stadt an, jung zu sein, Wünsche und Zukunftsvorstellungen zu haben, in einer Gegend, in der diese womöglich nie in Erfüllung gehen werden?

Die Fotoarbeit von Daniel Seiffert geht dieser Frage nach und zeigt eine innere Zerrissenheit der Porträtierten. Auf der einen Seite scheinen die Jugendlichen unsicher, melancholisch, auf der Suche nach Identität und Halt. Auf der anderen Seite wirken sie für ihr Alter erstaunlich reflektiert und selbstbewusst. »Ich hatte das Gefühl, dass sich die Jugendlichen aufgrund ihrer Situation viel mehr mit existenziellen Fragen beschäftigen als anderswo«, beschreibt Seiffert seine Eindrücke. Nicht nur das Leben der jungen Menschen, auch ihre alltägliche Umgebung befindet sich in einem diffusen Schwebezustand. Beides, die Stadt und ihre Jugend, scheinen in einer Wartestellung zu verharren.

Daniel Seiffert studierte Politik- und Medienwissenschaften an der Humboldt Universität Berlin sowie Fotografie an der Ostkreuzschule für Fotografie. Seine Arbeit »Kraftwerk Jugend« wurde dieses Jahr mit dem c/o Berlin Talents Award ausgezeichnet. Mehr zu Daniel Seiffert gibt es unter www.danielseiffert.de.

 

 
Aus der Fotoserie »Kraftwerk Jugend«, © Daniel Seiffert
Publikation von Daniel Seiffert und Agneta Jilek: Kraftwerk Jugend, ISBN: 978-3-42207-152-0
www.danielseiffert.de