»Livorno ist unsere Liebe / So singen wir, so jubeln wir / Livorno, das sind wir, in jedes Stadion gehen wir / Weinrot ist unsere Liebe / Die unendliche Geschichte, des Untergrunds / Und weinrot schlägt es in unserem Herzen.«

Fotos von Florian Reischauer / Text von Mona Wischhoff

 

Livorno hat keine Uffizien und keinen schiefen Turm. In der Riege toskanischer Städte kommt sie als Schmuddelkind daher: Die größten Arbeitgeber sind der Hafen und seine Werften, die Fischerei und die Stahl- und Glasindustrie.

1921 gründete Italiens Linke hier die Kommunistische Partei des Landes und im Untergrund operierte am selben Ort zwei Jahrzehnte später der Widerstand gegen Mussolinis faschistische Politik. In dieser Tradition prägen linke Ideale bis heute die Identität der Stadt. Dieses Selbstverständnis drückt sich nirgendwo so gut aus wie im eigenen Fußball: dem Associazione Sportiva Livorno Calcio, kurz AS Livorno, gegründet vor knapp 100 Jahren.

 

Fanschals und Fahnen sind überzogen mit einer Patina aus altkommunistischem Widerstand. Sowjet-Devotionalien und das Konterfei von Che Guevara dominieren, die Trikotfarbe der Spieler ist rot und das Stadion liegt – wie passend – mitten im Arbeiterviertel der Stadt. Auch der Verein selbst will nicht nur besten Fußball spielen, sondern gibt sich antifaschistisch und links. In der Curva Nord, dem Fanblock der Ultras, erreichen politische Parolen und Fangesänge ihren Höhepunkt, verschwimmen und werden eins: »Livorno ist unsere Liebe / So singen wir, so jubeln wir / Livorno, das sind wir, in jedes Stadion gehen wir / Weinrot ist unsere Liebe / Die unendliche Geschichte, des Untergrunds / Und weinrot schlägt es in unserem Herzen.«

 

 

Erschienen in Stadtaspekte #03.

Florian Reischauer, 28, lebt und arbeitet seit 2007 als Fotograf in Berlin. Neben seinem Projekt Pieces of Berlin und freien Arbeiten ist er in europäischen Stadien auf der Suche nach antifaschistischen Fankulturen. www.florianreischauer.com