Mit der Teilung der Stadt verschwand der Arbeiterbezirk Wedding aus dem Zentrum und dem Bewusstsein Berlins. Der Fotograf Mathias Königschulte machte sich auf die Suche nach einem Stadtteil, der auch nach der Wiedervereinigung nie mehr richtig aufgetaucht ist.

Von Benjamin Fischer

Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete der Wedding den südlichen Bereich des Französischen Sektors in Berlin. Durch die Teilung der Stadt wanderte der Bezirk plötzlich aus dem Zentrum der ehemaligen Reichshauptstadt an den Rand West-Berlins. Ein Drittel der Bezirksgrenze war nun Teil des innerdeutschen Grenzverlaufes, mit dem Bau der Mauer war der Wedding dann endgültig vom historischen Zentrum abgeschnitten. In und um den traditionellen Arbeiterbezirk wurde es ruhig.

Mit dem Fall der Mauer war der Wedding plötzlich geografisch wieder inmitten von Berlin und wurde im Jahr 2001 sogar dem Bezirk Mitte angegliedert. Während sich letzterer innerhalb von nur zwei Jahrzehnten komplett regenerierte und nun zur geschätzten Adresse für Investoren, Gutverdiener und Touristen gehört, hat sich im Wedding verhältnismäßig wenig verändert. Die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch, die Armut prägend geblieben. Anders als propagiert, ist der Wedding nicht mit der neuen Mitte zusammengewachsen, und obwohl oft prophezeit, auch nicht zum neuen Trendviertel Berlins geworden. Ob sich das noch ändern wird, bleibt abzuwarten.

Die Arbeit »Wedding« von Mathias Königschulte ist noch bis zum 3. November 2013 im Museum für Photographie in Braunschweig zu sehen. Mehr unter www.photomuseum.de.

 

 

Aus der Fotoreihe »Wedding«, ©Mathias Königschulte
www.mathiaskoenigschulte.de