Seit ein paar Jahren begegnen wir ihnen immer wieder. Wir finden sie auf Hausdächern, Terrassen, Brachflächen und ehemaligen Fabrikarealen, vereinzelt sogar neben Parkplätzen und an Straßenrändern. Aber vor allem in unzähligen Artikeln, Dokumentationen, Publikationen und Ausstellungen stolpern wir seit einiger Zeit regelmäßig über sie: die neuen Stadtgärten.

Von Benjamin Fischer

Im Gegensatz zu den öffentlichen Grünanlagen wird beim Urban Gardening selbst Hand angelegt: Ungenutzte Flächen werden bepflanzt und zu Nutz- oder Ziergärten umfunktioniert. Es wird angebaut, geerntet und begrünt, aber auch geplaudert, gefeiert und entspannt. Vor allem die größeren, gemeinschaftlich geführten Gärten sind wichtige Orte der Begegnung, des Austausches und der Erholung geworden. 

Auch der Fotograf Matthias Walendy beschäftigte sich in seiner Arbeit »re:green« mit dem Phänomen Urban Gardening. Anders als bei vielen Fotobeiträgen zu diesem Thema rückt bei seinen Bildern jedoch eine diesen grünen Orten ganz eigene Ästhetik in den Mittelpunkt. Zu Pflanzenbehältern umgewidmete Bäckerkisten, eine zur Gartensitzbank umfunktionierte Holzpalette oder die aus Holzleisten und Plastikfolie zusammen gezimmerte Gartenlaube sind typische Motive, die Walendy immer wieder ablichtet. Die Bilder machen deutlich, wie diese Orte einerseits Möglichkeiten bieten, zugleich aber auch mit starken Einschränkungen verbunden sind. Die Böden sind oft durch Altlasten verunreinigt, die finanziellen Mittel beschränkt und eine dauerhafte Nutzung wird von den Eigentümern nur selten zugelassen. Aber genau diese Bedingungen prägen diese Orte. Walendy dokumentiert in seiner Arbeit die Spuren einer Aneignung von städtischem Raum – und porträtiert gleichzeitig ihre Protagonisten. 

Mehr zu Matthias Walendy, zu der Fotoreihe »re:green« und zu weiteren Arbeiten gibt es unter www.matthiaswalendy.de

 

 
Aus der Fotoserie »re:green«, © Matthias Walendy
www.matthiaswalendy.de