Gebäude strukturieren Städte, geben ihnen eine Form und ein Gesicht. Sie bilden Räume, in denen wir uns täglich bewegen und aufhalten, sie schaffen ein Innen und Außen, Verbindungen und Abgrenzungen. Oft betrachten wir Gebäude als etwas Statisches und nehmen nur ihre Hülle wahr, ihre Fassaden und Dächer, ihre Mauern und Öffnungen.

Von Benjamin Fischer

Der Fotograf Michael Wesely zeigt in seinen Bildern, wie Gebäude wachsen und langsam mit ihrer Umgebung verschmelzen. Seine Fotos sind keine Momentaufnahmen, sondern dokumentieren die Entstehung eines neuen Gebäudes und zugleich die Veränderung des bestehenden Umfeldes. Durch extrem lange Belichtungszeiten von bis zu 26 Monaten schafft es Wesely, diesen Prozess in einem einzigen Bild darzustellen. Die Verwendung spezieller Filter, die das auf den Fotofilm einwirkende Licht verringern, ermöglicht die fotografische Aufzeichnung großer Zeiträume und die gleichzeitige Darstellung unterschiedlicher Zustände. Auf den Aufnahmen vom Potsdamer Platz in Berlin aus den 1990er Jahren sehen wir nicht nur gebaute Stadt, sondern auch ihr Wachstum und wie sich dabei der Raum und dessen Struktur verändert. Architektur ist hier nicht Objekt, sondern vielmehr Ausdruck eines komplexen Prozesses.

Die großformatigen Fotoarbeiten von Michael Wesely sind noch bis zum 25. November 2012 in der Galerie Fahnemann in Berlin zu sehen. Weitere Informationen gibt es unter www.galerie-fahnemann.de

 

 
oben: 27.3.1997 – 13.12.1998, Potsdamer Platz, Berlin
mitte: 5.4.1997 – 3.6.1999, Potsdamer Platz, Berlin
unten: 4.4.1997 – 4.6.1999, Potsdamer Platz, Berlin
 
Aus der Fotoreihe »Long Exposures«, © Michael Wesely